Unter dem Motto „Vermessenes Appenzellerland – Grenzen
erkennen“ zeigt das Museum Herisau noch bis zum 27. Dezember 2009 eine Sonderausstellung .
Sie schlägt den Bogen von frühen Grenzbeschrieben über
Instrumentarien der klassischen Vermessung bis zur modernen Geoinformation.
Personelle und finanzielle Unterstützung leisten die
FirmaGeoinfo,
Herisau und das kantonale Vermessungsamt.
Die erste systematische Vermessung der Schweiz verlief parallel zur
Gründung des Bundesstaates im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung spannt am
Beispiel des Appenzellerlandes den Bogen vom Spätmittelalter bis in die
Gegenwart der digitalen Vermessung: Vom eher hilflosen Bemühen um
Grenzversicherungen mittels Beschrieben über die ersten systematischen
Vermessungswerke des 19. Jahrhunderts bis zur Internetseite «Geoportal». Ein
spezielles Augenmerk wird auf die Darstellung der veränderten
Vermessungsmethoden gelegt.
Den aktuellen Hintergrund für die Ausstellung bildet der Abschluss des
Erneuerungsprogramms «Digitale Amtliche Vermessung» im Kanton Appenzell
Ausserrhoden. Die alte, halbgrafische Grundbuchvermessung kann damit 2009
offiziell archiviert und durch die digitale ersetzt werden.
Eine möglichst exakte Fixierung von Grenzen gehört zu den Grundbedürfnissen
der Menschen, und vieler anderer Lebewesen auch. Grenzen sind aber auch
Ausgangspunkte für viele Konflikte. Eine exakte Fixierung ist für die
Rechtssicherheit von unschätzbarem Wert. Lange behalf man sich mit blossen
Grenzbeschrieben der folgenden Art: «Unnd denn von dem hoff Berg untz uff
die Egg in die Hußzelg. Unnd da dannen von der Egg enmitten durch
Rosemberger Wald uß untz in daz Holtz, daz man nempt den Schluch, und ouch
enmitten durch dasselb Holtz …» (1459). Da sich 150 Jahre später niemand
mehr an den exakten Grenzverlauf im Gelände zu erinnern vermochte, kam es zu
einem 50jährigen Rechtsstreit zwischen den Staaten Appenzell Ausserrhoden
und Gotteshaus St.Gallen. In dessen Verlauf entstand 1636/37 das erste
exakte Kartengemälde unserer Region. Und man entschloss sich, die Grenze
vermehrt mit Steinen zu versichern.
Die systematische Vermessung und Kartierung des Appenzellerlandes begann im
19. Jahrhundert mit den Arbeiten der Kartografen Pestaluz aus Zürich (1816)
und Merz Vater und Sohn aus Herisau (1818–34). Ende der 1870er Jahre liess
Herisau als erste Gemeinde einen Katasterplan erstellen. Mit dem Aufbau des
Triangulationsnetzes IV. Ordnung legte der Kanton Appenzell Ausserrhoden
anschliessend die Basis für die Grundbuchvermessung. 1912 machte die
Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches die Erstellung von
Grundbuchplänen und Flächenregistern landesweit obligatorisch. Sie sollten
exakt definierte Rechtssicherheit verschaffen – ein riesiges Projekt, bei
dem der Bund die Führung und den Hauptteil der Kosten übernahm. Kühn stand
die Vision einer exakt vermessenen Schweiz im Raum. In Ausserrhoden dauerte
die Umsetzung von 1918 bis 1987.
Unter dem Titel «Reform der amtlichen Vermessung» wurde 1987 die
flächendeckende, digitale Vermessung angestossen. Mit dem Modell thematisch
unabhängiger Ebenen sollte nicht nur der Inhalt der bisherigen
Grundbuchvermessung vollständig in elektronischer Form erfasst, sondern auch
Daten unterschiedlicher Sachgebiete (Grundbuch, Leitungen, Strassen etc.)
zusammen geführt werden. In Appenzell Ausserrhoden wurde das Potenzial
dieser Idee rasch erkannt und umgesetzt. Seit 1998 verfügt es als einer der
ersten Kantone über ein flächendeckendes GIS. Ein sichtbares Resultat ist
das seit einigen Jahren zur Verfügung stehende Internetangebot «Geoportal».
In der praktischen Ausführung übernahm dabei unsere Ausstellungspartnerin
GEOINFO AG eine Pionierrolle.
Ausstellungsplakat
Bericht
der Appenzeller Zeitung zur Vernissage
Bericht
der Appenzeller Zeitung zur Kunstaktion von Monika Ebner
Vernissage Ausstellung und Begleitpublikation
Freitag, 1. Mai 2009, 19:00 Uhr
Öffentliche Führungen durch die Ausstellung
So 31. Mai, 11:00 Uhr / So 26. Juli, 11:00 Uhr / So 20. September,
11:00 Uhr /
So 29. November, 11:00 Uhr / So 27. Dezember, 11:00 Uhr
Familiennachmittage mit praktischer Vermessungsarbeit
Sa 20. Juni, 14:00 Uhr / So 30. August, 14:00 Uhr / Sa 31. Oktober,
14:00 Uhr
Workshops für Schulklassen mit praktischen Übungen am Freitag nach
Absprache
Unter freiem Himmel:
Sa 25. Juli, 10:15 Uhr
Der Grenze nach – Grenzwanderung mit Hanspeter Rohrer (Treffpunkt:
Bahnstation Sammelplatz)
So 30. August, 11:00 Uhr
Das Triangulations-Signal Lutzenland mit Josef Hug (Treffpunkt auf dem
Lutzenland, Herisau)
Vorträge
Do 17. September, 19:00 Uhr, Kantonsratssaal im Regierungsgebäude
Geometer und Vermesser im Wandel der Zeit mit Werner Frischknecht, Josef Hug
und Ruedi Höhener
Do 29. Oktober, 19:00 Uhr, Kantonsratssaal im Regierungsgebäude
Geoinformation heute und in Zukunft mit Adrian Eichrodt, Bastian Graeff und
Rolf Eugster
Do 12. November, 19:00 Uhr, Kantonsratssaal im Regierungsgebäude
Die dritte Dimension – virtuelles 3D-Modell Appenzell Ausserrhoden mit Rolf
Eugster
Filmzyklus: Vermesser im Film (im Cinetreff,
Bahnhofstrasse 2, Herisau)
Mo 16. November, 20:00 Uhr
Western Union (1941); Regie: Fritz Lang, Schauspieler: u.a. Robert Young.
Klassischer Western über den Bau der Telegrafenleitung zwischen Ost- und
Westküste der USA durch Indianerland.
Mo 23. November, 20:00 Uhr
Dersu Usala (1975); mit Oscar ausgezeichnet; Regie: Akira Kurosawa.
Ein Vermessungstrupp im Ussurigebiet in den Jahren 1902 und 1907.
Mo 30. November, 20:00 Uhr
The Englishman Who Went Up a Hill But Came Down a Mountain (1995); Regie:
Christopher Monger, Schauspieler: u.a. Hugh Grant.
Vermessung der Hügel in Wales 1917. Sind es Hügel oder Berge?