
Das Appenzeller Landschaftsbild – der Alpstein und die Hügellandschaft mit ihren Abfolgen von Wald, Weide, Wiese und Häämet – ist Identifikationsträger für die Bevölkerung und auch eine wichtige Grundlage für den Tourismus. Als Schnittstelle zwischen Landschaft und Haus haben sich in der Umgebung der Häämet über die Jahrhunderte charakteristische Gartenbestandteile entwickelt, die sich als Appenzeller Gärten bezeichnen lassen.
Die Ausstellung «Appenzeller Gärten» setzt sich mit den Bürgergärten und den Gärten in der Streusiedlung auseinander. Die Appenzeller haben im Verlauf der letzten Jahrhunderte einen eigenen Zugang zur Gartenkultur gefunden. Dabei haben sich Gartenelemente rund um das Haus etabliert, die im ganzen Appenzellerland Verbreitung fanden und sich als typische Gärten der Region bezeichnen lassen: Etwa ein Wetterbaum an der Westseite des Hauses, ein Trüeter (Spalier) an der Südseite, ein Holderstrauch an einer der Nebenseiten. Fast ebenso beliebt war ein einfaches Geviert mit Johannisbeersträuchern oder Gemüse. Schönes und Wertvolles wie Blumenstöcke oder Arzneikräuter hielt man sich vor dem Stubenfenster auf einem Strussgstell (Blumengestell). Ebenso ist es charakteristisch, dass sich die Wiese ohne harte Kanten, Geländezäsuren, Versätze oder Mauern bis an das Haus zieht. Vor jedem Haus stehen ein Brunnen und ein Bänkli. Der Hausplatz wurde freigehalten, da er für saisonale Arbeiten gebraucht wurde.
Die traditionelle Bauernlandschaft der beiden Appenzell war schon
immer Veränderungen ausgesetzt, jedoch nie so ausgeprägt wie in den
letzten Jahrzehnten des grundlegenden strukturellen Wandels der
Landwirtschaft. Viele Höfe sind nicht mehr in Betrieb und wurden als
Einfamilienhaus-Parzellen aus dem Landwirtschaftsgebiet ausgezont. Heute
sind es Wohnhäuser von Pendlern oder Wochenendhäuser von Städtern. Diese
Lebensform hat Einfluss auf das appenzellische Landschaftsbild: Das
herkömmliche Bild der appenzellischen Landschaft wird unauffällig mit
urbanen Netzwerken überformt. Es zeigen sich schleichende Veränderungen
durch Mobilität, Stadtflucht und Globalisierung.
Hausumbauten und neue Einfamilienhäuser prägen zunehmend das
Landschaftsbild. Im Aussenraum haben sich die gesellschaftlichen
Bedürfnisse auf den Feierabend und das Wochenende verlagert, die
traditionellen Gartenelemente werden zunehmend bedeutungslos. So
verschwindet nebst der traditionellen Nutzung der Häuser auch die
einstige Nutzung der Umgebung. Heutige Umgebungs-Anpassungen sind etwa
Car-Ports oder Terrainveränderungen für begradigte Rasenflächen und
Gartensitzplätze. Ergänzende Sichtschutzmassnahmen gewährleisten
Privatheit. Diese Begleiterscheinungen des städtischen Wohnens verändern
das Landschaftsbild nachhaltig und spürbar. Das einzigartige
Zusammenspiel von Haus und Landschaft ist im Wandel. So droht dem
Appenzellerland der Verlust eines wichtigen kulturlandschaftlichen Gutes,
welches die Region prägt, das Landschaftsbild zusammenhält und sich
deutlich von anderen Gebieten unterscheidet.
Repräsentativer Bürgergarten, gezeichnet von J. U. Fitzi
Die Ausstellung öffnet Einblicke in die traditionelle und die zeitgemässe Gartenkultur der beiden Appenzell. Abbildungen von Salomon Schlatter, Johann Ulrich Fitzi oder Johann Jakob Heuscher lassen die traditionellen Gärten sichtbar werden, Beiträge von Eva Rekade, Katalin Deér und Daniel Ammann illustrieren die aktuelle Sicht der Gartenkultur im Appenzellerland.
Patronatskomitee
Gallus Hess, Leiter Planungsamt AR / Prof. Margit Mönnecke
Institutsleiterin ILF, HSR Rapperswil / Heinz Naef, Speicher, Obmann
Heimatschutz AR / Dr. phil. Peter Röllin, Kultur- und
Kunstwissenschaftler, Rapperswil / Andrea Schläpfer, Wolfhalden,
Präsidentin der Landfrauenvereinigung AR / Christian Waldburger, Herisau,
Gartenbauunternehmer
Die Ausstellung wird unterstützt von Kulturförderung
Appenzell Ausserrhoden / Vermächtnis Walter Bianchi / Planungsamt
Appenzell Ausserrhoden / Fonds für Kultur und Brauchtum in AR, Urnäsch /
Migros Kulturprozent Ostschweiz / Christian Waldburger AG Gartenbau,
Herisau / Eberle Landschaftsbau, Herisau
Ausstellungswebsite
www.appenzeller-gaerten.ch
Bericht
der Tagesschau vom 12. Oktober über die Ausstellung
Bericht
Appenzeller Zeitung über die Vernissage
Bericht NZZ über die Ausstellung
Bericht der Appenzeller Zeitung zu Gartenkultur
Vernissage:
Donnerstag, 19. Mai 2011, 18.30 Uhr
Einführungsrede: Dr. phil. Peter Röllin, Kultur- und
Kunstwissenschaftler, Rapperswil
Öffentliche Führungen durch
die Ausstellung
Sonntage: 12. Juni / 10. Juli / 30. Oktober / 20. November 2011,
jeweils 11.00 Uhr
Landfrauen zeigen ihre Bauerngärten:
Samstag, 9. Juli 2011, 13.00 Uhr
Besammlungsort: Stein, Post,
Dauer: 3 1/2 Std.
Gartenspaziergang in Teufen:
Sa 20. August 2011, 13.45 Uhr
Besammlungsort: Evangelisches Kirchgemeindehaus Teufen,
Dauer: 2 – 3 Std.
Die Honnerlagsche Gartenanlage:
Donnerstag, 25. August 2011, 18.30 Uhr
Führung: Heidi Eisenhut, Leiterin Kantonsbibliothek,
Besammlungsort: Landsgemeindeplatz, Trogen
Appenzeller Gärten und Umgebungsgestaltungen – wieviel des Guten?: Montag, 14. November 2011, 19.30 Uhr, im Museum Herisau / Podiumsdiskussion mit: Patricia Felber-Rufer, Geografin, Zürich / Gallus Hess, Leiter Planungsamt, Waldstatt / Ueli Rohner, Vorstand Heimatschutz Appenzell A. Rh. und Gärtnermeister, Heiden / Urs Brotschi, Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer Christian Waldburger AG Gartenbau, Hundwil / Moderation: Hanspeter Spörri, Journalist und Moderator, Teufen